Das böse Einhandmesser

Ich trage immer ein Messer bei mir. Immer. Es sei denn ich befinde mich an einem Ort an dem es einfach nicht erlaubt ist, warum auch immer. Ich kann ja selber Entscheiden. Geh ich jetzt da hin oder nicht? Entscheide ich mich da hin zu gehen, dann bleibt mein Messer eben im Auto. Das passiert aber so extrem selten, daß ich mich nur an ein, zwei solcher Situationen erinnern kann. Ich erkundige mich auch immer bezüglich der Gesetzeslage und passe mich an. Nicht weil ich Obrigkeitshörig bin, sondern einfach weil ich keinen Bock auf die Diskussionen und weitere „Folgen“ habe. Das ist mir einfach zu blöd.

Zu Zeiten als es mehr oder weniger keine Rolle gespielt hat, welches Messer man dabei hat, habe ich trotzdem keinerlei Kampfmesser oder ähnliches getragen. Wenn ich mein Messer als Werkzeug heraus hole, dann will ich damit arbeiten. Ganz banal: Einen Stock z.B. anschnitzen. Da will ich auch dazu in der Lage sein, den Daumen auf den Messerrücken zu legen um Druck auf die Klinge zu geben. Das machst du mit einem gut geschärften Dolch nur einmal, glaub mir. Oder mit einem Kampfmesser…. Da wollen wir mal schauen wie lange du es schaffst, den Daumen um die Parierstange zu wurschteln um fein arbeiten zu können. Obendrein kann man die Dinger eh nicht zu allem nutzen und es sieht halt auch mal verdammt dämlich aus, wenn ihr draußen seit, jeder sein Werkzeug raus holt für Feuerstellen etc. und du ziehst dann ein 25 cm Rambo Messer raus. Lacher sind garantiert.

Nachdem man die Kampfmesser auf die Liste des Führverbots 2008 gesetzt hat, kamen zeitgleich noch andere Messertypen dazu: Einhandmesser. Aus dem Gesetzestext kann man entnehmen, welche Art der Einhandmesser gemeint sind, denn Einhandmesser ist nicht gleich Einhandmesser.

Messer mit einhändig feststellbarer Klinge (Einhandmesser) oder feststehende Messer mit einer Klingenlänge über 12 cm.  

Was ist ein Einhandmesser überhaupt? Es handelt sich dabei um ein Taschenmesser (Klappmesser) daß mit einer Vorrichtung am Klingenrücken (Pin oder Loch, übergroßer Nagelhau) oder hinter der Schneide mit einem „Flipper“ versehen ist. Öffnungshilfen.

Wozu braucht man das? Um das Messer mit einer Hand zu öffnen.

Ja. Ist so. Es ist keine Waffe, kein Selbstverteidigungsgerät, kein Presslufthammer, kein was weiß ich was, sondern ein dämliches, banales Taschenmesser daß man halt mit einer Hand aufmachen kann. Es ist sehr, sehr hilfreich, beim Arbeiten, z.B. auf einer Leiter, etwas durch zu schneiden ohne balancieren zu müssen, weil man mit einer Hand das Werkzeug hält und mit der anderen die Klinge heraushebt. Es war sehr hilfreich wenn ich mit Frau und Kindern unterwegs war, meinen kleinen damals auf dem Arm getragen habe und meine Frau mir ein paar Landjäger (Landjäger ♥ ….) unter die Nase gehalten und „Durchschneiden“ befohlen hat. Messer raus, Klinge auf, zack, zwei einzelne Würste in den Händen halten, Messer zu, zurück in die Hosentasche. OHNE das Kind abzustellen oder mit der Latzhose in den nächsten Ast hängen zu müssen, damit ich die linke Wurst von der rechten trennen kann.

Das ist ja wohl kein Umstand, das Kind kurz an den Gürtel zu hängen und mit zwei Händen das Messer zu bedienen! Erstens: Doch. Zweitens: Ich steige ja auch nicht über den Kofferraum in mein Auto zum Fahrersitz. Da hat man bei der Entwicklung des Automobils eben Türen an der Seite „erfunden“. Weil es einfacher ist diese zu nutzen, nutze ich diese auch, selbst wenn es bedeutet, daß man wegen eines parkenden Autos einfach mal vom Gas gehen muss weil einer wieder mal seine Tür aufmacht.

Wozu hat man denn Einhandmesser erfunden, wenn nicht als Waffe? In den 30 er Jahren des 20. Jahrhunderts kam jemand auf die Idee, er könnte ein solches Messer für Kriegsversehrte entwickeln, welche nur noch über eine funktionierende Hand verfügten. In der 30 ern gab es eine Menge Kriegsversehrte. Aber nicht wegen Einhandmessern, sondern wegen unfähiger Politiker, die den einfachen Mann davor, währenddessen und danach, bis heute, in den Krieg schickten. Dort wurden/werden Menschen getötet, verletzt, verstümmelt. Mit Schwertern, Degen, Schusswaffen, Sprengstoffen und Kampfmessern ihres Lebens oder ihrer Lebensqualität beraubt. In einer Zeit, in der so gut wie jeder Mann ein Taschenmesser zu Friedenszeiten oder einem befriedeten Gebiet bei sich trug. Sei es, weil der gepflegte Mann sein Taschenmesser eben mit sich führt, oder weil er eben Landarbeiter oder dergleichen war, konnten jene, welche für ihr Land geblutet haben, ihr Taschenmesser nicht mehr bedienen. Dann kam dieser findige Mann daher und gab diesen Männern ein Stück Lebensqualität zurück. Es sollte den Menschen helfen. Es sollte vieles vereinfachen. Davon profitierte eben auch der Mann, mit zwei gesunden Händen.

Das ist der einzige Zweck für die Existenz des Einhandmessers.

Dann gibt es eben solche, welche automatisch beim öffnen verriegeln, so daß die Klinge feststeht und solche, welche man mit einer Hand öffnet aber eben nicht verriegeln. Der Gesetzgeber meint hier ausnahmslos jene Messer, welche verriegeln. Das Spydero UKPK besitzt eine bestimmte Eigenschaft nicht. Öffnungshilfe (Loch) vorhanden, aber keine Verriegelung. Das System funktioniert so, wie bei den handelsüblichen Schweizer Taschenmessern. Soviel zu der Aussage: Einhandmesser ist nicht gleich Einhandmesser. Der Gesetzgeber spricht NUR von bestimmten Modellen.

Dann gibt es noch die so genannten „Friction Folder„. Diese sind mit einer Hand zu öffnen, verriegeln aber überhaupt nicht. Auch von denen Spricht der Gesetzgeber nicht.

Dann die Verbotseigenschaft. Ein leidiges Thema. Jeder der keinen Bezug zu solchen Werkzeugen hat, sich nie damit befasst hat aber in der Zeitung mal eine reißerische Schlagzeile gesehen hat, (Beispiel: „Jugendlicher wird von Polizei mit verbotenem Messer ertappt“, darunter ein Bild von einem billigen Herbertz Einhandmesser für 12 €) weiß plötzlich, daß diese Messer nicht erlaubt sind. Völliger Schwachsinn. Der Zeitungsschreiberling schließt seinen „Bericht“ dann noch mit Worten wie diesen ab: „Gegen den 18 jährigen wird wegen Verstoßes gegen das Waffengesetz ermittelt“. Ebenfalls völliger Schwachsinn.

Oder Fälle wie dieser hier, der sich bei uns im Landkreis abgespielt hat:

Ein Landwirt ohne Vorstrafen, damals an die 70 Jahre, trägt immer sein Einhandmesser bei sich. Beim arbeiten im Stall, auf dem Feld und privat auch. Er hat von den Änderungen nichts mitbekommen. Wird als Zeuge vor Gericht geladen. Plötzlich sind da Schleußen, Metalldetektoren und Sicherheitspersonal. Gab es vorher nicht, das haben wir so einem durchgeknallten Idioten zu verdanken, der im Gericht in Rosenheim gemeint hat er müsse im Gerichtssaal mit einer Pistole rumballern. Der gute Mann denkt sich nichts weiter dabei und legt alle Gegenstände seiner Hosentaschen in die Schale und geht durch den Detektor. Er bekommt alle Gegenstände zurück, nur sein Taschenmesser nicht. Das darf er sich im Anschluss wieder holen. Soweit so gut. Er macht seine Aussage, verlässt das Gebäude, will sein Messer holen und siehe da: Ein ganz schlauer Justizbeamter, wahrscheinlich die Sorte welcher man auf dem Schulhof das Pausenbrot geklaut hat, hat die Polizei wegen des Einhandmessers informiert. Die wiederum informiert den Mann darüber, daß sein Messer eingezogen wird und er eine Geldbuße wegen einer Ordnungswidrigkeit entrichten muss.

Die Zeitung schreibt aber: „Zeuge will mit Messer ins Gericht“, erklärt das es um ein Einhandmesser geht, welches dem Führverbot unterliegt. Soweit in Ordnung. Dann kommen diese Sätze:

„Deswegen erwartet den Peißenberger nun ein Ermittlungsverfahren. Möglicherweise kommt es zu einer Gerichtsverhandlung, in der der 68-Jährige dann als Angeklagter im Gerichtssaal sitzen würde.“

Mir ist kein Fall einer OWi bekannt, bei der es zu Gerichtsverfahren und Ermittlungen kommt. Bei Einsprüchen mag das eventuell anders sein, aber sicher nicht bei einer OWi.

Das Messer wird in der Regel eingezogen und eine Geldstrafe verhängt. Der Mann hat sich nicht strafbar gemacht, er ist kein krimineller. Die Folgen sind vergleichbar mit falsch parken. Die Zeitungen generieren mit Absicht oder Unwissenheit Unsicherheit in der Bevölkerung.

Bevor der § 42 a verabschiedet wurde, hat irgendein Politiker (keine Ahnung mehr welcher es war, würde es gern Beckstein in die Schuhe schieben) mitgeteilt, daß der § 42 a nur zur Anwendung kommen soll, um es der Polizei rechtlich einfacher zu machen, gewaltbereiten jugendlichen und Straftätern das Messer abnehmen zu können. Es sollte keine Hetzjagd auf Einhandmesser oder unbescholtene Bürger, Kriminalisierung satt finden. Wie die Realität nun aussieht wissen wir und wussten wir auch bevor der Stichtag angelaufen ist.

Fakt ist jedoch, ohne über Sinn und Unsinnigkeit bzgl. des § 42 a zu diskutieren, daß Einhandmesser eben NICHT verboten sind. Sie unterliegen lediglich einem Führverbot, es sei denn, es handelt sich um ein berechtigtes Interesse zum Führen solcher Messer. Dieses „berechtigte Interesse“ habe ich jedoch bereits an dieser Stelle kurz angeschnitten.

Da erinnere ich mich an einen ehemaligen Vorgesetzten von mir. Bei einem Gespräch diesbezüglich sagte er zu mir: „Einhandmesser sind verboten, weil es heimtückische Waffen sind. Ein Freund von mir ist bei der Polizei und hat mit mir am Flughafen gearbeitet. Er hat ein Buch drüber geschrieben, der wird wohl besser wissen wie das ist.“ Ja klar. Flatearther haben schon Bücher über eine flache Erde nebst Beweisen geschrieben, die werden es wohl besser wissen…

Genauso wie ein Einsatzleiter mal meinen Jungs erklären wollte, daß das Führen von Kubotans und Tactical Pens ein Verstoß gegen das Waffengesetz darstellt und mit Quarzsand gefüllte Handschuhe verboten sind. Dabei ist keiner der genannten Gegenstände als ein solches deklariert worden. Im Gegenteil, sie werden sogar mittels Feststellungsbescheid des BKA explizit vom Waffengesetz ausgeschlossen. Nach dem ich ihm das bewiesen habe, hat er versucht mir zu sagen daß Gesetz wäre ganz neu. Er konnte jedoch im Internet in meinem Beisein nichts finden, zog ab und danach habe ich „Supervisor Peniskopf“, so nannten die ihn, nie wieder gesehen.

Jetzt kommen wir aber in den Bereich der Ausrüstung für Sicherheitspersonal. Diesem Bereich nähere ich mich bei meinen kommenden Blogs.

Beispiele von einhändig feststellbaren Messern:

Um wieder zum Thema zu kommen: Einhandmeser sind nicht böse. Böse sind die, welche böses damit tun. Dies tun sie aber nicht mit Einhandmessern, sondern vorzugsweise mit Küchenmessern. Es ist grotesk, aber leider wahr. Recherchiert doch selber mal. Straftaten mit Messern werden meist mit Küchenmessern begangen. Kriminalität bekämpft dieses Gesetz auch nicht. Es liegt schon in der Natur eines kriminellen, Gesetze zu brechen und nicht zu beachten. Ein Räuber wird sicher nicht vor seinem Raubzug ein Messer aus dem Arsenal ziehen, welches den Richtlinien des Waffengesetzes entspricht. Nehmen wir England, ein Land mit einem der schärfsten Waffengesetze überhaupt. Die Gewalttaten und Straftaten sind explodiert und steigen stetig. Stellen wir Österreich dagegen. Da sind Messer gar nicht im Waffengesetz erfasst. Es ist in Österreich jede Form von Messern überall erlaubt. Dieses Land zählt zu den Ländern welche die niedrigste Pro Kopf Kriminalitätsrate der Welt besitzt. Was macht Österreich anders als andere Länder? Die Messer sind es nicht. Ich bin oft und war früher dauernd in Österreich. Zieh ich da im Biergarten mein Laguiole, fragt kein Mensch danach. Es juckt keinen. Der ein oder andere findet es vielleicht schön und mag es mal sehen oder er findet es nicht schön und zeigt mir seines, aber das war es auch schon.

Beispiele von Messern die „ohne Beschränkung“ geführt werden dürfen:

Buck 110. Dieses verriegelt zwar selbstständig, ist aber nur mit zwei Händen zu öffnen

Spyderco UKPK. Dieses ist zwar mit einer Hand zu öffnen, dafür verriegelt es aber nicht. Die Klinge wird mit einem Slipjoint Verschluss gehalten und die Klinge klappt bei zuviel Druck ein. 

Nicht selten habe ich in Deutschland in ähnlicher Situation schon öfter folgenden Satz gehört:

„Wozu brauchst du denn ein Messer, wen willst den heute noch abstechen?“ 

Bei Benutzung dieses Satzes werd‘ ich richtig Sauer. An alle Schwachmaten die sich dieser Wortwahl bedienen:

  1. Würdest du deine Augen aufmachen, dann könntest du sehen, daß sich unterhalb der Schneide meines Taschenmessers soeben Lebensmittel befinden, die ich gerade schneide. Du Pfeife nuckelst vielleicht grad an deiner Spezimaß rum aber wenn du am essen bist, könnte ich wetten daß du ebenfalls mit einem Messer dein Essen massakrierst. Soviel zur Frage wozu ich es brauche.
  2. Ich hoffe doch du hast kein Taschenmesser irgendwo rumliegen oder hast Zugriff darauf. Nur wegen der Fragestellung zeigst du mir auf, welch‘ krankes Hirn hinter deiner Schädeldecke arbeitet, denn sonst würdest du auf diese kranke Fragestellung gar nicht kommen. DU bist mitunter Schuld daran, daß Menschen wie ich, in Lebenslagen die Menschen seit jeher auf die selbe Art meistern, gegängelt werden. Soviel zum „abstechen“

Oder Journalisten welche sich hinsetzen und Berichte verfassen mit den Worten:

„Mein Kollege und ich haben uns mehrere Wochen zusammengesetzt und ernsthaft darüber nachgedacht wozu wir ein Taschenmesser mitnehmen sollten. Fazit: Niemand braucht ein Taschenmesser.“

Diese überhebliche Arroganz, Menschen direkt oder indirekt vorschreiben zu wollen was sie Brauchen und was nicht, ist an Unverschämtheit kaum zu überbieten. Vielleicht brauchst du ja keins, aber ich brauche eines. Am besten gefallen mir diese „Tachenmesser braucht keiner“ Typen immer, wenn sie sich dann zu mir umdrehen weil das Zettelchen im Pulli kratzt und dann so ganz selbstverständlich fragen: „Du, Steve, Du hast doch immer ein Messer dabei. Kannst du mir den Zettel da schnell raus schneiden? Der ist echt unangenehm.“ Ja dann bin ich als Messerträger auf einmal nicht mehr unangenehm 😀  …..

Einhandmesser sind nicht böse, sie sind nicht gefährlicher als jedes andere Werkzeug auch. Das selbe gilt für das Kampfmesser. Das Kampfmesser ist im Gegensatz zum Einhandmesser jedoch entwickelt worden um, plump gesagt, böses damit zu tun. Küchenmesser sind entwickelt worden um in der Küche zu arbeiten, es werden aber auch Menschen damit getötet. Äxte wurden entwickelt um Bäume zu fällen, dann kam die Streitaxt, heute werden Menschen mit normal Äxten erschlagen. Ein Hammer soll Nägel in die Wand treiben, es werden Menschen mit Hämmern erschlagen. Autos sollen dich von a nach b bringen und andere fahren damit absichtlich Menschen über den Haufen. Zweckentfremden kann ich alles. Soll jetzt alles was zweckentfremdet wird verboten werden? Dann schau dich mal in deinem Umfeld um. Dann darfst du gar nichts besitzen.

Das älteste Werkzeug der Menschheit zu stigmatisieren, nur weil ein paar realitätsferne und oberflächliche Besserwisser und unfähige Politiker einfach mal so entscheiden was gut für uns alle ist, kommen solche Dinge wie § 42 a Waffengesetz zustande. Der Fehler liegt in der Gesellschaft selbst. Hier lege ich mein Augenmerk nicht auf die kriminellen und Gewalttäter, sondern auf jene, die in der Erziehung ihrer Sprößlinge wert darauf legen daß der Knirps Adidas Turnschuhe trägt und das neueste Smartphone besitzt. Die ihre Kinder an ein solches Thema nicht ranführen, sondern PlayStore Karten kaufen, damit sie sich Apps laden können. Ihre Kinder nicht mit nach draußen nehmen und mit ihnen Lagerfeuer machen oder den Grill in fast unberührter Natur anschmeißen. Ihnen zeigen wie man ein Zelt aufschlägt oder kleine Tarps errichtet. Die ihren Kindern nicht beibringen zu improvisieren und einen ausgeglichenen Blick für ihre Umgebung bekommen. Jugendliche und Kinder können heute so gut wie nichts mehr selbst und nachhaltig lösen. Man bekommt bei jugendlichen mit, daß die einfachsten, selbstverständlichsten Dinge für sie ein Buch mit 7 Siegeln sind. Da kann man das ausgelutschte Thema, daß man in der U-Bahn für eine alte Dame den Platz freimacht anführen, aber das ist wohl schon eine Geschichte, die existiert seit es Schienen gibt. An der Stelle erzähle ich ganz kurz was völlig anderes: Jugendliche setzen sich an einem U-Bahn Abgang auf die Treppe. Die Rolltreppe führt nach oben, runter geht’s nur zu Fuß. Jetzt sitzen sie da und jeder der die Treppe runter kommt, muss über sie drüber steigen oder irgendwie versuchen dazwischen durch zu kommen. Dann kommen wir in Uniform und sagen den Jugendlichen sie möchten bitte aufstehen. Folgender Wortwechsel hat sich so ganz genau zugetragen:

  • „Hallo Jungs, bitte nicht auf der Treppe sitzen.“
  • „Warum?“
  • „Weil es eine Treppe ist und die Leute nicht runter gehen können.“
  • „Ja aber das ist eine Treppe, da kann man doch sitzen“
  • “ Ja kann man, soll man aber nicht, die Leute möchten die Treppe gerne nutzen, also aufstehen bitte.“
  • „Warum, das ist doch eine Treppe, da kann man doch…..“
  • „Nein! Aufstehen und Treppe frei machen! Jetzt!“

Sie stehen auf, langsam und widerwillig, sehen sich fragend gegenseitig an und stehen endgültig auf. Einer aus der Gruppe kommt zu mir und sagt:

  • „Entschuldigen sie bitte, ich verstehe nicht warum ich nicht auf der Treppe sitzen darf. Da kann man doch sitzen, oder nicht?“

Solches und ähnliches hab ich jeden Tag. Nicht falsch verstehen, die jugendlichen sind meist respektvoll und anständig, aber sie raffen nichts. Die einfachsten Selbstverständlichkeiten schnallen die nicht. Logik und Rücksicht allein wären eigentlich schon im Vorfeld nützlich und es hätte gar nicht zu einem solchen Wortwechsel kommen können. So wie auch die Tatsache daß in einem aufgestellten Bierzelt in Bayern nicht geraucht werden darf. Gesetzlich! Verboten! So ein 18 Jähriger zündet sich eine Zigarette an. Wir sagen ihm er möchte sie ausmachen, es herrscht Rauchverbot. „Wieso, daß hier ist doch ein Parkplatz„. „Auf dem Parkplatz steht jetzt ein Zelt, das Festzelt, und da ist rauchen verboten.“, „Ja aber das ist doch normal ein Parkplatz, da kann ich doch rauchen.“ Er hat es nicht kapiert. Auch als er rausgeflogen und sein Vater gekommen ist. Er hat es nicht verstanden. Geb so einem Jugendlichen ein Messer in die Hand und bete, daß er Rambo nie gesehen hat! Für Logik, Rücksicht und andere Dinge des Lebens gibt es halt keine App. Gäbe es eine App, welche beim hinsetzen analysiert wo man sich gerade hinsetzt, und sie würde dann an unserer Treppe das Handy vibrieren lassen, würden die Jugendlichen erst mal aufs Handy schauen. Würde dann das Handy sagen: „Bitte nicht auf die Treppe setzen. Durchgang für reisende gewähren. Der nächste geeignete Sitzplatz befindet sich 50 Meter durch die Passage auf der linken Seite bei McDonalds“, dann würden sie es auch nicht checken, aber wenigstens bei McDonalds sitzen… mit Gratis W-Lan…. für YouTube Videos mit Bushido oder wie der Dönerverkäufer heißt, den Arschficksong auswendig lernen. Ist ja Kulturgut. Oder über WhatsApp sich gegenüber sitzen und gegenseitig Nachrichten schreiben um den „Beef“ untereinander zu klären. Ja richtig gelesen. Die klären untereinander ihr Rindfleisch. Bei McDonalds…. über W-Lan…

Für mich war es das größte, wenn mein Opa damals im Tiergarten, ihm gehörte als Pächter für viele Jahre die Kleinbahn, ein Adler Nachbau der ersten Eisenbahn zwischen Nürnberg und Fürth, mir damals ein Schweizer in die Hand gedrückt hat und ich konnte den ganzen Tag durch die Büsche im Tiergarten hüpfen wo nur Betriebsangehörige rein durften und konnte schnitzen. Er hat mir gesagt worauf ich aufpassen muss und hat mich ein wenig beobachtet. Irgendwann hat er mir Samstags wenn wir im Tiergarten waren immer eines in die Hand gedrückt und nicht mehr so aufgepasst. Er hat dann immer seine Karten gerissen von den Gästen, hat sich auf seine Lock gesetzt, ist losgefahren und hat gehupt. Oma hat die Karten verkauft. Ich war im Wald. Neben dem Giraffengehege. Den ganzen Tag. Mit einem Victronox. Von klein auf hat er mir beigebracht wie man damit umgeht. Ich habe nie eine Waffe in einem Messer gesehen, obgleich ich weiß daß es geht und wie es geht.

Vor sieben Jahren hat jeder meiner zwei Kids ein Taschenmesser von mir bekommen. Am Geburtstag ihres Opas, meines Schwiegervaters, saßen sie den ganzen Tag in seinem Garten während wir gegrillt haben und haben geschnitzt. Fast sein ganzes Kleinholz zum Kachelofen anfeuern haben die zwei verschnitzt. Heute noch fliege ich bei uns im Haus über irgendwelche Stöcke, die halt einfach mal geschnitzt sind. Die zwei gehen trotz Smartphone, PlayStation und Bushido  AC/DC richtig auf dabei. Beide gehen Verantwortungsbewusst damit um. Erst vor drei Tagen hab ich meinem großen sein Taschenmesser wieder geschärft. Er geht jetzt in die Lehre, auf dem Bau und nutzt es jeden Tag. Mein kleiner hat es der Mama gegeben damit er es nicht verschlampt. Beim Campen wartet er immer drauf, daß ich es ihm dann gebe. Dann nutzt er es die ganze Woche beim Campen für fast alles. Ja genau. Campen. Kein Hotel mit 4 Sternen und Kinderanimationsprogramm bei denen irgendwelche Hüpfdohlen mit Happy Sunshine Grinsen so tun als wären sie Spezialisten in der Kindererziehung. „Man muss die kleinen schon etwas fördern und auslasten, da haben wir so ganz lustige Bälle da kann man …. ℘ℜϖω“

Wir haben vergessen unseren Kindern Traditionen und Werte weiter zu geben. Sie so zu erziehen, daß sie verantwortungsbewusst mit sich selbst, ihrem Umfeld selbstständig agieren und lernen. Wir haben den Babysitter Smartphone, und überlassen die Erziehung Kindergärtnern und Lehrern. Wenn wir da die Reißleine nicht ziehen, dann ist 42 a unser geringstes Problem….

 

Alte Weisheit: Lieber ein Messer dabei haben und keines brauchen, als eines zu brauchen und keines dabei zu haben.

 

 

3 Kommentare zu „Das böse Einhandmesser

  1. Laguiole-da fällt mir eine Gerichtsreportage aus Frankreich ein(lief auf arte).Ein Sozialarbeiter hatte eins dabei,laut Gesetz das er im Gericht selber vorlas war es erlaubt.Die RIchterin meinte aber nur:Wollen sie mir etwa die Gesetze erklären?

    Und wenn sie ein Teppichmesser kaufen-das gilt als Einhandmesser!Also in der Verpackung lassen,nur haben die meisten keine…

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    1. Frankreich lässt sich nicht mit Deutschland vergleichen. In der Tat hat Frankreich ein sehr strenges Waffengesetz und theoretisch bekommst du dort, außerhalb ländlicher Gegenden, sogar mit einem Laguiole oder Opinel ein Problem. Die Teppichmesser Proplematik ist auch in Deutschland bekannt.

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