Mythos Klingenlänge: Messer darf nur so lang sein, wie die Hand breit ist.

Ich habe keine Ahnung woher der Mythos kommt, daß die Klinge eines geführten Messers nur so lang sein darf, wie die Hand des Trägers breit ist. Ein Mythos den mein Vater schon versucht hat zu verbreiten. Eine Suche im Internet, woher der Mythos stammt, war wenig befriedigend. Er soll wohl aus den USA stammen. Lässt sich hier auch nachlesen: http://weaponlaws.wikidot.com/common-myths

Allerdings ist er auch dort nur ein Mythos. In den gesamten USA existiert kein einziges Gesetz mit dieser Regelung. Es ist schlichtweg nicht wahr. Was Deutschland betrifft, hilft ein Blick in das aktuelle Waffengesetz, aber dazu kommen wir nachher noch.

Menschen haben unterschiedlich große Hände. Ich selbst messe eine Körpergröße von 182 cm, wiege um die 100 kg und habe Handschuhgröße 9, sprich L. Laut diverser Tabellen beträgt meine Handbreite 9,3 cm und beim nachmessen stelle ich fest: Ich habe exakt 9 cm. Also passt das. Somit bedeutet das, ich dürfe mein Laguiole schon gar nicht tragen, das hat nämlich 10 cm Klingenlänge. Wobei ich ja noch eines habe, welches 9 cm Länge hat. Das würde ja dann gehen. Wenn ich mir dann so ansehe wie Unterschiedlich die Hände sind, bedeutet das, daß aus meiner Sicht jeder, mit einer Handschuhgröße jenseits der 9 auch ein größeres Messer mitnehmen darf. Unterhalb der 9 nur ein kleineres. Irgendwie ungerecht und, Gott sei dank, nicht wahr.

Hier hilft das Waffengesetz. Im § 42 a WaffG. Absatz 1, Satz 3 wird explizit auf die Klingenlänge eingegangen. Der gesamte Satz lautet dann so:

„Es ist verboten, Messer mit einhändig feststellbarer Klinge (Einhandmesser) oder feststehende Messer mit einer Klingenlänge über 12 cm zu führen.“ 

Geht aber weiter, denn es gibt auch Ausnahmen, welche der Absatz 3 regelt:

„Ein berechtigtes Interesse nach Absatz 2 Satz 1 Nr. 3 liegt insbesondere vor, wenn das Führen der Gegenstände im Zusammenhang mit der Berufsausübung erfolgt, der Brauchtumspflege, dem Sport oder einem allgemein anerkannten Zweck dient.“

Auf Einhandmesser geh ich ein anderes Mal ein, jetzt geht es um die Klingenlängen. Wenn man hier dann exakt nach Waffenrecht  (Waffengesetz) geht und sich ein Klappmesser mit Slipjoint einsteckt oder ein Zweihandmesser mit Lockback, dann darf die Klinge so lang sein wie Stahl ab dem Heft vorhanden ist. Soll heißen, mein kleinstes Messer, die ALOX Reihen von Victorinox mit 7 cm gehen eh klar. Meine Laguiole mit 10 cm ebenso. Hätte ich ein Opinel Nr. 13 mit einer Klingenlänge von 22, 5 cm wäre dies auch legal.

Bei Klappmessern gibt es, hinsichtlich der Größe, demnach keinerlei Einschränkung.

Ohne wenn und aber, ohne Begründung für den Zweck, solche Messer kann ich immer und zu jeder Zeit bei mir führen. Ausnahmen sind z.B. Waffenverbotszonen, Veranstaltungen, Demos etc.

Kommen wir zu den Messern mit feststehender Klinge. Es existieren Messer mit feststehenden Klingen, welche trotz der richtigen Länge nicht geführt werden dürfen. Hier geht es um bestimmte Eigenschaften, welche das Werkzeug laut Gesetz zur Waffe machen. Aber auch hier erwähne ich, daß es um die Länge geht in diesem Artikel. Als Beispiel nehmen wir mein Linder Super Edge 1 mit 9 cm Klingenlänge. Dieses Messer besitzt ke20180826_153438ine Waffeneigenschaften und ist ein reines Outdoor und Jagdmesser. Zum ordinären führen, brauche ich nicht mehr zu beachten, wie bei oben erwähnten Klappmessern. Dieses Ding kann ich ohne wenn und aber überall, zu jeder Zeit führen. Auch hier Ausnahmen, z.B. Waffenverbotszonen, Veranstaltungen, Demos etc.


Feststehende Messer bis zu 12 cm Klingenlänge, welche keine Waffeneigenschaften besitzen, können jederzeit geführt werden. 

Jetzt wird es kompliziert. Der Absatz 3 regelt Ausnahmen, dies tut auch schon der Absatz 2, jedoch recht schwammig. Der gesamte Satz von Absatz 2 Nr. 3 lautet folgendermaßen:

„Absatz 1 gilt nicht, für das Führen der Gegenstände nach Absatz 1 Nr. 2 und 3, sofern ein berechtigtes Interesse vorliegt.“

Was ist denn ein berechtigtes Interesse? Da hilft Absatz 3.

„Ein berechtigtes Interesse nach Absatz 2 Satz 1 Nr. 3 liegt insbesondere vor, wenn das Führen der Gegenstände im Zusammenhang mit der Berufsausübung erfolgt, der Brauchtumspflege, dem Sport oder einem allgemein anerkannten Zweck dient.“

Da es hier um die Klingenlängen geht, gehe ich auch nur darauf ein. Theoretisch bedeutet dies, daß ich beim Campen auch ein feststehenden Messer nutzen darf welches mit Waffeneigenschaft erheblich länger als 12 cm sein darf. Theoretisch bedeutet das, daß ich mir zur Tracht, beim Trachtenfest, auch einen Hirschfänger mit 20 cm umhängen darf. Theoretisch bedeutet das, daß ich beim Paragliden auch ein Eickhorn Aviator einstecken darf. Theoretisch kann ich sogar gefahrlos zu genannten Tätigkeiten ein Einhandmesser einschieben.

Warum nur theoretisch? Das Internet ist voll von „Erfahrungsberichten“ welche besagen, daß die Ausnahmeregelung nur dann berücksichtigt wird, wenn der kontrollierende Polizist eine gute Tagesform hatte. Ich lese ständig solche Berichte und kann es kaum fassen. Ich, als Messerfreund seit meiner Jugend, kann solche Berichte NICHT bestätigen. Da es sich bei einem Verstoß gegen diese Gesetze „nur“ um Ordnungswidrigkeiten und nicht um Straftaten handelt, hat der Polizist natürlich einen Ermessensspielraum. Wenn ich dem nachgehe, hatte jeder Polizist mit dem ich bisher zu tun hatte, entweder eine gute Tagesform oder er hat seinen Ermessensspielraum voll ausgenutzt. Da das eine nicht das andere ausschließt, hatte er wohl beides.

Da es sich hier im Blog hauptsächlich um eigene Erfahrungswerte handelt, kann ich auch nur von mir sprechen. Ich persönlich hatte von 2008, seit Einführung des § 42a bis heute in das Jahr 2018, niemals Probleme mit der Polizei im Bezug auf mein Messer. Um sich das mal genauer anzuschauen: Ich bin, wie gesagt ein glatzköpfiger, halbwegs großer Mann mit Bart. Von oben bis unten irgendwie Tätowiert. Zerschlissene Jeans, Shirts mit Totenköpfen und so ein Kram, Ohrringe und ab und an eine Lederkutte mit Clubinsignien verleiten den menschenfreundlichsten Cop dazu den Typen da (mich) mal zu kontrollieren. Wenn man dann a) sich an die Gesetze hält, b) freundlich bleibt c) den Mann einfach seinen Job machen lässt und sachlich argumentieren kann und das wichtigste d) einen Menschen anstatt nur eine Uniform sieht, dann ist vieles schon bei der ersten Kontaktaufnahme zwischen dem Beamten und dir erledigt.

Wie gesagt, MEINE Erfahrungen, MEINE Leitfäden. Deine können natürlich wieder ganz anders aussehen. Lass mich wissen wie es dir schon in Kontrollen ergangen ist und wie es ausging.

Hier noch ein paar Bilder meiner User, welche definitiv NICHT unter § 42a fallen und somit frei geführt werden dürfen:

 

Zum Abschluss noch was erheiterndes.:

Ein damals ausgeliehener Sicherheitsmitarbeiter sah einen älteren Herren der sich mit einem Taschenmesser in unserem Hausrechtsbereich eine Semmel aufschnitt. Als er mit seiner Kollegin daran vorbei ging, sagte er zu ihr: „Das Messer ist doch verboten.“
Sie fragte nach dem warum. Er gab ihr zur Antwort: „Das war sicher länger als eine Handbreite.“
Sie fragte ihn daraufhin woher diesen Mist hätte und er antwortete:

„Aus dem Fernsehen, hab ich bei ACHTUNG KONTROLLE gesehen.“

Dem ist nichts mehr hinzu zu fügen 😀

Damit man sehen kann wie kurios die Gesellschaft mit solchen Themen umgeht, muss man nur mal auf so ganz plumpe Seiten wie „GuteFrage.net“ schauen. Wer richtig herzhaft lachen will, der schaut sich folgenden Eintrag mal an und betet, wie ich, daß keiner von diesen Menschen jemals auf die Idee kommt, er könne sich ja mal ein Taschenmesser kaufen:

https://www.gutefrage.net/frage/klingenlaenge-maximal-eine-handbreit—woher-kommt-das-

 

 

Ein Kommentar zu „Mythos Klingenlänge: Messer darf nur so lang sein, wie die Hand breit ist.

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